Die Pyramide (Peremett)

 

Pyramiden sind das Zentrum, ja das Herzstück der erzgebirgischen Weihnachtskunst. In ihr vereinen sich christliche Überlieferung und Glaubenswelt, bergmännische Arbeitswelt und die Spielzeugherstellung.
Weihnachtspyramiden hat der Volkskundler und Spielzeugforscher Karl Ewald Fritzsch (1894-1974) in einem Satz zusammengefasst:"Mit dem lautlosen Kreisen der bunten Figuren, dem warmen Kerzenschein und dem Schattengewimmel ihres Flügelrades an Wand und Decke schmeichelt sie sich schon in den vorweihnachtlichen Dämmerstunden in das Gemüt von Kindern und Erwachsenen ein."

Wer die erzgebirgische Weihnachtspyramide erfand, ist nicht bekannt. Volkskundler nennen als mögliche Vorläufer so genannte "Trauergerüste". Mit Kerzen besetzt waren sie im 16. Jahrhundert bei Totenfeiern für feudale Herrscher oder kirchliche Würdenträger üblich.
In Frage kommen auch die "Schaugerüste" . Sie wurden bei Prozessionen mitgeführt oder neben dem Altar aufgestellt und zeigten u.a. die Weihnachtskrippe.
Im 18. Jahrhundert jedenfalls wurden auch in den evangelischen Kirchen des Erzgebirges Lichterpyramiden zur Auschmückung verwendet. So erwähnt der Schneeberger Chronist Christian Meltzer in der Schilderung einer Christmette in der St.-Wolfgang-Kirche aus dem Jahr 1716 "Pyramiden von lauter Lichtern".
Als Vorläufer gilt außerdem der sogenannte Drehturm, eine Art Modellbergwerk. Er bringt den zweiten Motivkreis ein, der sich schon bei den ältesten Pyramiden findet: den Erzbergbau. Vor allem dessen glanzvolle Seiten: Paraden und Feste, aber auch die Arbeit in der Grube.
Zu DDR Zeiten gewann zunehmend die Darstellung von erzgebirgischem Fichten- und Tannen-(wo gab es den damals)wald sowie seinen Tieren an Einfluß. Die Ursachen liegen darin begründet, daß zum einen fast alle hergestellten Figuren für den Export in den Westen bestimmt wurden und zum Anderen auch die Verdrängung der Christlichen Thematik aus dem Bewußtsein der Menschen eine große Rolle spielte.