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Seitenbesucher: Laubsaegen Counter by GOWEB

Reliefschnitzen

Die Holzschnitzerei war im Kunstgewerbe zu allen Zeiten von hervorragender Bedeutung, und spielt deshalb auch bei der Dilettantenbeschäftigung eine wichtige Rolle. Neben Flach- und Kerbschnitt, deren Technik in besonderen Anleitungen erläutert sind, nimmt die relief- und plastische Schnitzerei wohl den ersten Platz ein, denn durch sie können bei guter Ausführung alle vorkommenden Formen in naturwahrer oder stilisierter Gestalt mitunter kunstvollendet zum Ausdruck gebracht werden.
Das Wort "plastisch" (gestaltend, körperlich hervortretend) findet Anwendung auf alle Schnitzereien, die nicht an eine Fläche gebunden sind, sondern mit erhöhten Formen hervortreten. Relief-Schnitzereien haben stets einen Hintergrund und werden, wenn sie etwa Dreiviertel ihrer ganz runden Gestalt über die Grundfläche hervorragen, Haut- (oder Hoch-) Relief, wenn sie aus letzterer nur bis zur Hälfte hervortreten, Basisrelief genannt. Durchbrochene Schnitzereien sind in der Kontur ausgesägt und weisen keinen Grund auf. (Fig. 1) Allerdings kann auch hier nach dem Schnitzen eine Rückwand untergelegt werden. Als vollplastisch (körperlich rund) werden jene Schnitzereien bezeichnet, welche eine freistehende Gestalt auf allen Seiten zeigen, wie Vasen, Statuen oder auch Stockgriffe, Messerhefte etc

Werkzeuge

Die allgemeinen Werkzeuge, welche sich ohnehin fast in jedem Haus befinden, sowie jene, welcher sich der Laubsäger bedient, finden teilweise auch bei der Schnitzarbeit Verwendung. Außerdem sind aber dazu noch Spezialwerkzeuge nötig, deren es eine große Auswahl gibt. Vor allem sind gute Schnitzeisen erforderlich, welche je nach ihrer Form wie Fig. 2 zeigt verschieden benannt werden.

Die Eisen werden mit dem Dorn bis zum Ansatz in die am besten achtkantigen und vorne mit einem Eisen oder Messingring beschlagenen Holzhefte getrieben. 12 solcher Schnitzeisen mit den in Fig. 3 abgebildeten Schneideflächen dürften für Dilettentenzwecke vollständig genügen. Außerdem leistet ein gutes Schnitzmesser zum Abfasen von Kanten und Ausarbeiten schwer zugänglicher Eckzwickel gute Dienste.
Außer dem gewöhnlichen allbekannten Schnitzmesser zeigen Fig. 4 und 5 zwei sehr praktisch geformte Messer, welche oft Verwendung finden können.
Unentbehrlich sind ferner: Ein mittelgroßer gewöhnlich runder Holzschlegel, eine mittelgroße Raspel, eine große halbrunde raue Feile und eine kleine an beiden Enden gebogene Feile ohne Holzheft. Zum Aufrauhen des Grundes, wodurch der glatte Grund ein belebteres Aussehen erhält, dienen auch die Punzen von verschiedenen Formen. Den einfachsten
hiervon verfertigt man aus einem starken, etwa einen kleinen Finger langen Drahtstiften, der auf der flachen Stirnseite mittels einer Feile kreuzweise gekerbt wird (Fig. 6), wodurch vier stumpfe Zacken entstehen. Bei dem Punzen setzt man die Spitzen senkrecht auf den zu rauen Grund auf und führt auf den Kopf des Stiftes gleichmäßige Hammerschläge. Das Aneinandersetzen der Punkte soll in genauen Zwischenräumen stattfinden.

Fig. 7 d bis g zeigen verschiedene Punzen, deren Anwendung sich wohl von selbst versteht.

Das Schleifen (Schärfen)

Da ein gutes Gelingen der Arbeit nur mit scharfen Werkzeugen möglich ist, muß auf das Schleifen derselben besondere Sorgfalt verwendet werden. Am besten ist hierfür der drehbare Schleifstein mit Fuß- oder Handantrieb geeignet, doch kann in Ermangelung eines solchen auch ein sogenannter Rutscher dienen. Weiter sind noch einige kleine harte, feinkörnige Abziehsteine erforderlich. Es sind dafür ungleich geformte Steinscherben, welche an den Kanten nach den Wölbungen der Hohleisen mehr oder weniger abgerundet sind am zweckdienlichsten. Zur Erzeugung der schließlich notwendigen feinsten Schneide nimmt man den Streichriemen. Derselbe besteht aus einem 18 - 20 cm langen, 3 cm breiten und 2 cm starken Weichholzstück oben hohl ausgeschnitten und mit einem Kalblederriemen bespannt. Die obere (raue) Lederfläche wird zeitweise mit Fett oder Unschlitt bestrichen und mit einem alten Bleistück tüchtig eingerieben. Das Ausschleifen auf dem großen Stein geschieht mit Wasser, das Abziehen auf dem feinen Steine mit Baumöl, und ist der entstehende Schleifschlamm öfters mit einem Lappen zu entfernen. Beim Schleifen ist darauf zu achten, dass das Eisen immer in gleicher Schräge gehalten wird, damit der Schleifballen nicht abgerundet sondern möglichst scharf zur Schneide läuft. Die Schneidflächen aller Eisen haben eine gerade Linie aufzuweisen. Beim Geißfuß sind die beiden Flächen nach unten etwas zurücktretend zu halten, damit derselbe beim Arbeiten zuerst oben angreift. Sind Hohleisen oder Geißfuß so gewölbt zugeschliffen, dass sie bei der Schnittführung unten zuerst angreifen, so ackern sie naturgemäß das Holz auf und erzeugen rissige Schnitte. Das Schleifen ist beendet, wenn die Schneidfläche von oben besehen keine blanken Glanzpunkte und an der Schneide ein feiner Faden (Grat) sichtbar ist. Der letztere wird mit dem Abziehstein möglichst von der Ballenseite aus, und nur ganz wenig auf der Schneidseite, beseitigt.

Das Holz

Von den Holzarten sollen hier nur die für Schnitzerei in Betracht kommenden erwähnt werden. Lindenholz ist seiner weichen gleichförmigen Struktur wegen am leichtesten zu bearbeiten. Seine natürliche Farbe ist gelblich-weiß, es nimmt aber wenn es gebeizt wird, hauptsächlich in braun und schwarz, eine schöne gleichmäßige Färbung an. Erlen rötlich bis rotbraun, kommt den Linden an weicher Struktur am nächsten und ist für hochplastische Arbeiten ein gutes Material. Zirben, weißlich, gelblich-weiß und rostfarben gibt ebenfalls ein weiches Schnitzholz. Pappel- und Fichtenholz sind ungleich weich, neigen zum Rissigwerden und sind deshalb nur für grobgeformte Arbeiten verwendbar. Von den inländischen Harthölzern ist Nuß zum Schnitzen vorzüglich geeignet. Es ist jedoch nur schlichtes gleichmäßiges Holz zu wählen, denn wenn es liniert und gemasert ist, wird die Bearbeitung weit schwieriger. Apfel- und Birn, rötlichgelb, rötlich und bräunlich, hat eine zähe aber gleichmäßige Struktur und ist für Schnitzarbeiten gut brauchbar. Ahorn besitzt die Eigenschaften der vorgenannten Hölzer in geringerem Maße, findet aber häufige Verwendung und nimmt beim Beizen eine schöne ungleichmäßige Färbung an. Eiche ist ungleich hart, mit groben ungebundenen Fasern, eignet sich mehr für gröberes Schnitzwerk, zumal für Abfaserungen, weniger für gegliederte Rundungen, für Gravierarbeiten gar nicht. Von ausländischen Hölzern ist vorzugsweise das braunrote Zeder für zartes, leichtes Schnitzwerk zu verwenden. Buchs- und Ebenholz sind wegen ihrer beinartigen Härte schwer zu bearbeiten, alle übrigen Holzgattungen sind für Schnitzwerke mehr oder weniger unbrauchbar. Die Holzstärken sind der Zeichnung entsprechend immer vom höchsten Punkte des Schnitzwerks aus zu berechnen. Kommen hochgeschwungene Motive nur an einigen Stellen vor so werden selbe durch Aufleimen einzelner Holzstücke ermöglicht. Man nehme das Holz wegen der Befürchtung, dass die Schnitzerei zu plump ausfalle, ja nicht zu schwach, um genügend tief schnitzen zu können.

Die Vorbereitungen zum Schnitzen

Das Aufpausen des Musters hat auf der glattgehobelten, aber nicht geschliffenen Fläche, bei der die Eisenschneiden sich zu rasch abnutzen würden, zu geschehen. Durchbrochene Muster werden zuerst ausgesägt und wenn wegen deren Zartheit ein Zerbrechen unter dem Arbeiten zu befürchten ist, so leimt man das Arbeitsstück auf ein weiches Brett. Zwischen Brett und Auflage ist ein starkes ungeleimtes Papier zu kleben, um nach Fertigstellung der Schnitzerei selbe mit einem flachen Tischmesser abtrennen zu können. Arbeiten welche auf Grund gefertigt werden oder solche von großer Festigkeit werden mittels am Rande eingeschlagener Stifte auf einem größeren Brett befestigt und letzteres mit Schraubzwingen am Arbeitstisch festgeklemmt. Bei Bilderrahmen ist es gut, erst nach Vollendung der äußeren Umgebung die Öffnung für das Bild auszusägen. Sind runde, gedrehte oder sonst ganz plastische Stücke, wie Stockgriffe, Messerhefte, Tierfiguren etc. zu schnitzen, so lässt man am Ende oder unten ein Stück überflüssiges Holz stehen, um sie im Schraubstock oder in der Hobelbank einspannen zu können, was aber nie vor der Schnittrichtung sondern stets seitlich zu geschehen hat, um beim Ausgleiten einer Handverletzung vorzubeugen.


Das Schnitzen

Im Allgemeinen wird beim Schnitzen mit der rechten Hand der Griff des Eisens umfasst, das Eisen vorwärts geschoben und demselben zugleich durch leicht drehende Bewegungen die schneidende Richtung gegeben. Die linke Hand liegt mit dem äußeren Ballen am Eisen, drückt dieses in die Tiefe und übt zugleich einen Druck nach rückwärts aus, um es beim Ausgleiten sofort zurückziehen zu können. Jeder Schnitt soll ohne Anstrengung gemacht werden und die Schnittflächen müssen sich rein und mattglänzend zeigen. Ist dieses nicht der Fall so ist die Schneide stumpf und muß abgezogen werden. Unter Entfernung kleiner Späne wird von den höchsten Punkten aus gegen die Tiefe gearbeitet. Beim scharfen Einsetzen von Konturen und Durchschneidungslinien wird mit der linken Hand das Eisen senkrecht and der betreffenden Stelle aufgestellt, während mit der anderen mittels des Schlegels auf den Kopf des Heftes geschlagen wird. Für größere Tiefen sind die Schläge zwei- bis dreimal zu wiederholen und ist inzwischen das ausgestemmte Holz jedes Mal zu entfernen. Stets soll es vermieden werden, Schnitte gegen die Holzfasern zu führen weil das Holz dann spaltet, wodurch Eingriffe und Splitter entstehen. Die Pfeile in Fig. 8 zeigen die richtige Schnittführung an. Bei feingegliederten zarten Hölzern mit groben Fasern ist in dieser Hinsicht mit äußerster Vorsicht zu bearbeiten. Eine saubere Schnitzerei ist möglichst mit dem Eisen zu vollenden, denn mit der Feile ist wenig zu erreichen, da die niedergedrückten Feilstriche zumal durch das Beizen wieder rauh hervortreten und ein abermaliges Abschleifen mit Glaspapier erfordern, wodurch die scharfen Feinheiten verloren gehen. Es sollen beim Schnitzen auch keine zu kleinen Eisen genommen werden, denn ein ängstliches Sticheln und Bohren verdirbt die Arbeit. Richtige glatte Schnitte sind möglichst ein einem Zuge zu machen, was bloß mit passenden, eher etwas größeren Eisen gelingt. Bei Kästchen, Körbchen und dergleichen sind alle Teile vorher zu schnitzen und dann erst zusammenzufügen. Die eigenen Manieren der verschiedenen Arten von Schnitzerei, seien in nachfolgenden Abschnitten näher gekennzeichnet.

Der Zierschnitt und die Gravierarbeit

Der Zierschnitt kann selbständig wie auch in Verbindung mit anderen Schnitzarten vorkommen. Sehr hübsch sehen derlei Arbeiten auf weißen Holzplatten mit dunkelgebeizter und polierter Oberfläche aus, wobei sich das vertiefte Muster in Weiß von der dunkleren Oberfläche vorteilhaft abhebt und die Wirkung durch Bronzieren, Vergolden oder Ausmalen mit gut kontaktierender, leuchtender Farbe erhöht werden kann. Als geeignete Holzarten sind solche mit recht gleichmäßiger zartfaseriger Struktur zu nennen: Birn, Nuß usw., kurz, grobfaserige Hölzer sind minder tauglich.
Als Werkzeug dienen gerade Hohleisen und zwar eines der kleinsten Sorte, zwei bis drei ansteigend etwas größere und zum Ausheben von Beeren etc., ein mittelgroßes Eisen. Beim Schleifen und Abziehen der Eisen ist darauf zu achten, dass deren Schneide eine gerade und nicht etwa eine gewölbte Linie bildet, denn durch letzteres würde das Eisen unten an der auszuhebenden Rille zuerst angreifen, dadurch das Holz aufwühlen und die oberen Schnittkanten unrein machen. Der Gaisfuß wird zu dieser Arbeit nicht benützt, da er zu leicht aufreißt und verläuft. Die ganzen Verzierungen bestehen nur aus Hohlkehlen von verschiedener Breite und Tiefe und auch Blätter und Blumen werden hohl ausgehoben, so dass sich die Konturen von selbst ergeben. Bei einer runden Beere wird nicht etwa die Kontur eingestochen und die Beere nach der Kante gerandet, sondern selbe schüsselförmig vertieft. Es gibt eine derartige Ausführung stets das Reflexbild einer Reliefschnitzerei. Als Vorbilder können Linienornamente jeder Art dienen und sind die meisten Holzbrandmuster dafür geeignet. Die Oberfläche des Holzes muß vor dem Gravieren schon fertig behandelt worden sein, denn ein nachträgliches Schleifen etc. würde die Feinheit der Gravur sehr beinträchtigen. Die Vorlage wird nun auf die Fläche gelegt und an einigen Stellen, welche später ausgehoben werden, mit ganz dünnen Reißbrettstiftchen angeheftet. Das Aufpausen erfolgt durch das Nachziehen der Linien und mit Zuhilfenahme eines farbigen Pauspapiers in bekannter Weise. Bei polierten Flächen hat dies ohne Farbpapier mit einem sehr harten Bleistift oder noch besser mit einer stumpfen Stahlnadel so kräftig zu geschehen, dass sich die Linien etwas vertieft ins Holz eindrücken. Beim Schnitzen werden Blumen, Beeren, Blätter etc. zuerst ausgehoben und alle seinen Verbindungslinien mit dem kleinsten Eisen vorerst leicht eingeritzt. Durch mehrmaliges Nachschneiden werden die Linien dann in gleichmäßige Stärke gebracht und bei Anschwellungen mit dem größeren Eisen erweitert. Dieses Nachschneiden hat bei jeder Linie in zweierlei Richtungen zu erfolgen und möglichst zu vermeiden, dass der Schnitt an der oberen Hohlkehlenkante gegen die Holzrichtung geführt wird und dann die scharfe Grenze aufreißt. Eine sichere Schnittführung wird erzielt, wenn das Schnitzeisen mit der rechten Hand vorwärts geschoben und zugleich mit den Fingern der linken in die richtige Bahn und Tiefe gelenkt wird. Die linke Hand übt neben einem leichten Druck nach unten auch einen Gegendruck nach rückwärts aus, um ein Ausgleiten zu verhindern und bei ungewollten Verirrungen einer Linie sofort einhalten zu können.
Fig. 9 zeigt diesen Vorgang. Für gerade Linien wird ein Lineal zu Hilfe genommen. Auch zum Einschneiden der Kreisbögen kann man ein kleines Lineal von beiläufig 15 mm Breite und 15 bis 20 cm Länge benützen. An einem Ende dieses Lineals wird zum Einsetzen des Schnitzeisens im Abstand von 1 cm ein kleines gleichschenkliges Dreieck mit nach der Mittellinien gerichteter Spitze ausgesägt. Bei dem Einschneiden des Kreisbogens wird das Lineal im zutreffenden Mittelpunkt auf der Platte mit einem Stifte befestigt, das Eisen in den dreieckigen Ausschnitt gesetzt und der Bogen unter Drehung des Lineals eingeschnitten.
Ornamente mit breiteren Mustern können auch in der Weise ausgeführt werden, dass anschließend an die gravierten Linien die Konturen (Umrisse) von Beeren, Blättern und Blumen senkrecht scharf eingesetzt und von der Mitte gegen die Ränder hin das Ornament flach abgerundet wird. Da diese Arbeiten insgesamt eine äußerst sichere Schnittführung bedingen, ist es ratsam sich vor Inangriffnahme größerer Arbeiten auf Probebrettchen einzuüben.

Der Rundschnitt

Der Rundschnitt bildet den Übergang von der Gravierarbeit zum Flachrelief. Er wird zumeist an durchbrochenen Motiven angewendet, indem die Konturen mit dem Gaisfuß eingraviert oder mit passenden Eisen eingesetzt, und die dazwischen liegenden Flächen gegen diese Linien hin abgerundet werden. Stengel, sowie Außenkanten werden ebenfalls abgerundet, so dass die hohen Punkte noch Flächen bilden, welche an den Trennungslinien wulstartig aneinanderstoßen.

Der Rund- und Hohlschnitt

In dieser Manier wird die Fläche mit Ausnahme einiger Trennungsstege abwechselnd in stabartige Rundungen und Hohlkehlen aufgelöst. Zwischen Stab und Hohlkehle befindet sich zumeist eine schräge Fase. Die Trennungslinien werden hier ebenfalls senkrecht eingesetzt, die Stäbe von ihrer Mitte aus, gerundet, die Fasen und Hohlkehlen werden so eingeschnitten, dass deren hohe Punkte in der Flächenhöhe verbleiben.


Die Abfasearbeit

Diese Arbeit besteht in dem Abnehmen (Brechen) der Kanten, was entweder mit einer geraden Abschrägung (Fase) oder auch durch eine Hohlkehle geschieht. Meistens ist die Kante vollständig gebrochen, so dass die Breite der Fase gleichmäßig tief in die Kante sowie in die Vorderfläche eingreift. Es kommt aber auch vor, dass die Abschrägung weniger tief als breit, mithin flacher ist. In beiden Fällen ist es nötig, nach dem Vorzeichnen der Fasenbreite auf der Vorderseite selbe auch an den Schnittkanten anzuzeichnen. Ist dies geschehen, so setzt man mit dem Schnitzmesser an jene Stellen die Schlusspunkte, an welchen die Fase beginnt, aufhört oder sich mit einer anderen kreuzt. Dann werden an den gegebenen Stellen die glatten Fasen oder Hohlkehlen derart eingeschnitten, dass die Gehrungen hergestellt sind und die ersteren mit dem passenden Eisen abgenommen.
Bei glatten Abfasungen zu welchen auch das Schnitzmesser verwendet werden kann (Figur 10) ist das Messer oder Eisen dergestalt in schiefer Richtung zu führen, das hierdurch das Holz nicht in der ganzen Breite weggespalten, sondern an der oberen Linie beginnend, hinweggeschnitten wird. Bei Kehlungen, das sind rinnenartig vertiefte Fasen, ist dem hierzu passend gewähltem Hohleisen, welches man eher zu breit als zu schmal nimmt, während der Vorwärtsschiebens eine leichte Drehung nach seitwärts zu geben. Hierbei ist ganz besonders zu beachten, dass die Schnitte und Teilstriche, wie schon bei Figur 8 bemerkt ist, nicht gegen die Holzfasern geführt werden.


Der Kantenschnitt

Ist als eine Abart und Zwischenglied zum Kerbschnitte zu betrachten. Er besteht aus einem treppenförmigen Übereinanderlegen von an den Kanten gekerbten Leistchen oder Brettchen, so dass der Gegenstand eine anscheinend aus vielen Kristallen besetzte Zierfläche aufweist. Den obersten Abschluß bildet jedes Mal ein an zwei Seiten gekerbtes Leistchen. Die gebräuchlichsten Muster zeigen bei Figur 11 die Nummern 1 bis 4 - letzteres bei Nummer 9 perspektivisch gezeichnet -, für die oberen Abschlüsse die Nummern 5 bis 8.
Das Verzieren der Kanten geschieht derart, dass die Kerben in Stärke (Tiefe) und Breite des Leistchens in gleichen Abständen eingreifen und an der unteren Kante scharf abschließen (Fig. 11 No. 9). Hierdurch bedingt sich, dass die Muster sowohl in ihrer Breiten- wie auch Längeneinteilung genau nach der Leistchenstärke zu richten sind und jeder aufzulegende Teil um eine - wenn an zwei Seiten zu kerben, um zwei - Holzbreiten schmäler gehalten werden muß, als die Unterlage. In dieser Weise sind auch Rosetten zusammenzusetzen. Zur Abwechslung können für breitere Profilierungen stärkere und schwächere Leistchen und Brettchen übereinanderfolgen, wobei sie bezüglich der Längeneinteilung entsprechend in halber oder doppelter Stärke zu nehmen sind. Eine reichere Wirkung entsteht noch durch Zwischenlegen von Leistchen und Brettchen verschiedener Holzart. Sind die Leistchen oder Brettchen in entsprechender Stärke vorgerichtet und glattgehobelt, so werden auf Karton- oder Fournierstreifen mit dem Zirkel die Linien, deren Abstände einer Holzstärke gleichkommen, aufgetragen und angezeichnet. Mit diesem Ausmessen ist zu beachten, dass die Kerben an den Ecken der untersten Teile gleichmäßig endigen; überdies muß bei Rahmen jedes aufgelegte Teil über der Fuge des unteren liegen
(Figur 12 No. 10), wodurch die richtige Eckverbindung hergestellt wird. Nach dem Zuschneiden der Teile in richtige Länge und Breite werden von den Kanten aus die genauen Breiten der Kerben vorgegriffen und hierauf diese gemäß der Einteilung mit dem Schnitzmesser eingeschnitten, die Teile endlich in der Reihenfolge aufeinander geleimt und wenn nötig mit Stiftchen befestigt.

Durchbrochenes Schnitzwerk

Da die Plastik aus den Gegensätzen Höhe und Tiefe, gewölbt und hohl und der dadurch bedingten Wirkung von Licht und Schatten besteht, ist es zur Ausführung solcher Arbeiten Hauptbedingung die Schattierung der Vorlage richtig aufzufassen um die Bewegungen und deren sanfte Übergänge wiedergeben zu können. Für Anfänger sind Verzierungen mit pflanzlichen Motiven zu wählen, denn die Unregelmäßigkeiten der Naturformen sind weit einfacher nachzuahmen als die streng festgesetzten Eigenarten von stilisierten Ornamenten. Bei der Verarbeitung sind vorerst die Konturen (Grenzen) der hochliegenden Teile einzusetzen, und dann das Übrige tiefer zu legen.
Kreuzen sich z.B. wie bei Figur 13 die Stäbchen eines Rähmchens, so muß das Stäbchen c an den Überschneidungsstellen tiefer gelegt werden, damit das darüberliegende Ende d sich erhöht (erhaben) darstellt. Dem entgegengesetzt ist solches bei b und a der Fall. Hierauf ist das Abrunden der Äste vorzunehmen. Es ist nicht nötig selbe rein und glatt rund zu gestalten, sondern von hübscher Wirkung, wenn die Schnittflächen noch sichtbar bleiben.
Rindenrisse und Sprünge werden mit dem Gaißfuß und kleinsten Hohleisen eingraviert, was aber keinesfalls übertrieben werden soll Fig.14.
Bei dem Schnitzen von Beeren, Figur 19 wird jede einzeln von der anderen mit dem passenden Hohleisen durch senkrechte Einstiche abgegrenzt, worauf die Ränder in Kugelform (c und d) abzurunden sind. d zeigt den Querschnitt. Hier ist die Glätte der natürlichen Beeren nachzuahmen und kann man mittels Schleifpapier etwas nachhelfen.
Bei Blumen (Figur 15) wird zuerst die Samenkapsel durch senkrechte Einstiche umgrenzt, die Blumen dann nach ihrer Gesamtlage geformt und die Kapsel abgerundet. Dann sind die Blätter mit dem Gaißfuß zu trennen und ihnen einzeln die erforderliche feine Bewegung zu geben. Bei Blättern ist vorerst die allgemeine Bewegung anzulegen. Ist dies geschehen, so werden die Mittelrippe und einige Hauptrippen kräftig eingraviert und die dazwischen liegenden Blattpartien dann noch leicht nachgeformt. Die Nebenrippen sind schließlich mit leichten Gravierlinien anzubringen. Die Figuren 16 und 17 zeigen die Vorderansicht, Seitenansicht und den Querschnitt (Profil) von Blättern. Bei dem Ornamente Figur 18 muß der Umschlag mittels eines nach der Mitte verlaufenden Hohlkehlenschnittes, (durch Schraffierung angedeutet), geschnitten werden. Dann ist der erhöhte Grat des Mittelblattes mit dem Hohleisen nach beiden Seiten nach der äußeren Spitze hin anzuschrägen. Hierauf werden der äußere Rand des Umschlages mit demselben Eisen sanft verlaufend, endlich die untere Blattpartie und der Stengel gerundet. Ist die Schnitzerei nun in ihrer Vorderansicht vollendet, so beginnt man von rückwärts das Unterschneiden jener Stellen, welche zu plump aussehen würden. Dies kann größtenteils mit einem Schnitzmesser vorgenommen werden und ist dabei darauf zu sehen, dass die Kanten scharf ausfallen und nicht verletzt werden.


Reliefschnitzerei

Bei solchen Verzierungen wird das Ornament aus einem ganzen Brett herausgearbeitet. Der Grund muß dabei wie bei der Flachschnitzerei vertieft werden um die Dicke (Höhe) des Ornaments zu gewinnen. Da die Hohlbewegungen der Motive nirgends unter dem Grunde liegen dürfen, so ist genau zu überlegen, wie tief der letztere ausgehoben werden soll. Erfordert das Ornament nur eine geringe Tiefe so kann der Grund schon vor dem Schnitzen desselben sauber vertieft werden, so dass die Konturen schon so genau umgrenzt sind, als ob sie ausgesägt und aufgeleimt worden wären. Bei Mustern, welche eine größere hervortretende Stärke bedingen, ist auch das Ornament an feinen Hauptbewegungen anzulegen und gleichzeitig mit den Grundflächen zu bearbeiten. Um die Grundflächen gleich tief zu bekommen, kann man sich eines 15 cm langen, 4 cm breiten und 2 cm dicken Hartholzklötzchens bedienen, in das durch ein Loch gesteckt ein schmales Flacheisen, unten auf Grundtiefe vorstehende, eingekeilt ist. Mit diesem einfachen Grundhobel wird an einigen Punkten in die Tiefe geschabt, bis es nicht mehr angreift, wodurch das gleichmäßige Vertiefen sehr erleichtert wird. Fig. 19 zeigt die Vorgänge beim Schnitzen eines Blattes. Zuerst wird die Kontur in rohen Umrissen senkrecht eingestochen, dann mit einem in der linken Hand gehaltenen flachen Hohleisen die Holzteile des Grundes spahnweise weggeklopft, wodurch die Hauptkontur zu tage tritt (a). Hierauf werden die Ösen und Rippen ausgearbeitet und der Grund geebnet (b). Schließlich sind die Zahnungen einzukerben, die feineren Rippen zu gravieren und der Grund zu punzen (c). An stark erhabenen Stellen ist es notwendig die Konturen nicht senkrecht sondern etwas unterschnitten einzusetzen, damit sich die Schnitzerei lebhafter vom Untergrunde abhebt.

Vollendung der Schnitzarbeiten

Nach dem Schnitzen werden etwas noch vorhandene Bleistiftstriche und sonstige leichtere Unreinigkeiten - tiefergreifende dürfen überhaupt nicht vorkommen, - mit einem Radiergummi entfernt und kann wenn unbedingt nötig, ein behutsames Überschleifen mit feinstem Schleifpapier nur insofern geschehen, dass die scharfen Kanten der Schnitzerei nicht darunter leiden. Arbeiten aus hellem Holz werden zumeist gebeizt. Um dem dadurch hervorgerufenen Hervortreten der Holzporen vorzubeugen ist es gut das Schnitzwerk vor dem Beizen mäßig mit Wasser zu befeuchten und nach dem Trocknen nochmals vorsichtig zu schleifen. Auch kurz vor dem Beizen ist eine abermalige Befeuchtung ratsam, damit die Querschnitte des Holzes nicht mehr Beize einfangen können, wie die Flächen und die Färbung gleichmäßig wird. Das Beizen wird mit einem Pinsel ziemlich saftig vorgenommen, die überschüssige Beize durch aufzustreuende Sägespähne rasch entfernt, und letztere werden mit einer steifen Bürste beseitigt. Größeres und in Naturfarbe belassenes Schnitzwerk wird häufig nur mit Leinöl eingelassen. Kleinere und gebeizte Gegenstände können mit Wachs oder Mattierung eingebürstet werden oder auch mit verdünnter Schellackpolitur einen Mattglanz erhalten. Glänzend lackierte Schnitzereien würden ein unschönes Aussehen bekommen. Bei dem geringen Verbrauch und der Billigkeit der käuflich erhältlichen Beizen dürfte sich die Selbstbereitung derselben kaum lohnend erweisen und seien deshalb nur zwei einfache Rezepte angeführt. 1. Braun: 1 Teil Kasselerde und ½ Teil Pottasche werden in 6 Teilen Wasser eine Stunde lange gekocht und dann filtriert. 2. Schwarz: Man übergießt 100 gr. Blauholzextrakt mit 3 kg. Kochendem Wasser; nach erfolgter Auflösung setzt man 2½ gr. Gelbes chromsaures Kali hinzu und rührt gut um. Diese Beize zeigt eine violettblaue Farbe, gibt jedoch auf Holz gestrichen ein tiefes Schwarz.

Beispiele